Erkrath hat wieder ein Katzen-Problem

Mehrere ausgesetzte Katzenmütter wurden in diesem Sommer bereits in Erkrath gemeldet. Wir erinnern an die Kastrations- und Registrierungspflicht.

Seit 2016 in Erkrath die Kastrations- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen eingeführt wurde, gingen die Zahlen unkastrierter Hauskatzen und verwilderter Kitten im gesamten Stadtgebiet deutlich zurück. An den Futterstellen des unseres Tierschutzvereins Erkrath versorgen rund 20 ehrenamtliche Helferinnen heute circa 50 Katzen. Zum Vergleich: Vor gut 20 Jahren mussten noch mehr als 170 Tiere gefüttert, tierärztlich versorgt und auf Kosten der Tierschützer geimpft, gechippt und kastriert werden, um weiteres Tierleid zu verhindern.

Dank der Kastrations- und Registrierungspflicht ging in den vergangenen Jahren auch die Zahl trächtiger Katzen und Jungtiere zurück, die draußen geboren werden. An den Futterstellen kennen die Betreuerinnen „ihre“ Katzen; kamen neue unkastrierte Katzen hinzu, sprachen die Tierschützerinnen die Besitzer auf die Kastrationspflicht und das drohende Bußgeld an.

Auf die Frage, woher sie wisse, wohin eine Katze gehöre, weiß unsere Vorsitzende Christa Beckerdass Nachbarn gerne plaudern. Dass die Zuordnung nicht immer so einfach ist, versteht sich von selbst und wird besonders in dicht besiedelten Vierteln wieder zum Problem der Tierschützer. „Bis 2022 wurden uns gar keine Katzenmütter mit Kitten mehr gemeldet“. Doch das dicke Ende der Corona-Jahre hatte die inzwischen 75-jährige Tierschützerin schon kommen sehen: Während zwischen 2020 und 2022 deutschlandweit rund zwei Millionen Katzen mehr als in anderen Jahren ein neues Zuhause fanden, scheinen viele Tiere ihren Haltern jetzt lästig zu werden.

Die Tierheime sind voller denn je. Und die Ende 2022 erhöhten Tierarztgebühren tun ihr Übriges, dass Katzen und Kater unkastriert frei laufen gelassen werden oder ganz auf der Straße landen. Die Kastration einer weiblichen Katze kostet vielerorts mehr als 200 Euro. „Wir haben es geahnt, aber gehofft, dass es nicht so schlimm wird“ Wir sind enttäuscht und wütend über die wieder steigende Zahl unkastrierter Freigänger und ausgesetzter Katzen.

„2023 wurden uns schon fünf Mütter mit insgesamt 21 Kitten gemeldet. Darunter zwei reinrassige Russisch Blau, die wahrscheinlich Schwestern sind.“ In der vergangenen Woche haben die Tierschützer eine dieser Katzen mit ihren fünf Babys in der Sandheide sichern und in einer Pflegestelle unterbringen können. Der Schwester mit ihren drei Kindern sind die Tierschützerinnen noch auf der Spur, ebenso einer weiteren Mutter mit vier Kindern – auch in Hochdahl. Eine Schildpatt-Mama wurde mit ihren fünf Jungen in einer Pflegestelle des Katzenschutzbundes Essen einquartiert.

Unkastrierte Freigängerkatzen nehmen zwangsläufig Kontakt mit anderen Katzen auf und tragen fortlaufend zur Vermehrung bei. Eine Katze wirft laut Berechnungen des Deutschen Tierschutzbundes in der Regel zweimal pro Jahr fünf bis sieben Junge. Pro Wurf überleben im Durchschnitt drei Jungtiere und vermehren sich weiter. Nach drei Jahren kann so aus einem einzigen unkastrierten Kater, der eine unkastrierte Katze trifft, eine Population von rund 500 Tieren erwachsen.

Natürliche Feinde haben Hauskatzen bei uns nicht und das rare Nahrungsangebot müssen sich auf der Straße lebende Katzen mit heimischen Wildtieren teilen. Ein fataler Kreislauf, der nur durch die konsequente Kastration aller Hauskatzen mit Freigang unterbrochen werden kann. „Wir brauchen in Deutschland eine generelle Kastrations- und Meldepflicht. Jede Freigängerkatze muss gechippt und registriert sein. In Österreich funktioniert das ja auch. Wenn die Halter zu identifizieren wären und mit Geldbußen rechnen müssten, laufe es.

Bestes Beispiel ist das Problem mit streunenden Hunden, das es hierzulande de facto nicht mehr gibt: Nur einen einzigen Hund musste der Tierschutzverein Erkrath in den vergangenen Jahren vermitteln.

Helfer, Pflegestellen und Katzen-Zuhause gesucht

Hilfe Für die noch zu sichernden Katzen sucht der Tierschutzverein Erkrath Pflegestellen, in denen Mütter und Kitten gemeinsam untergebracht werden, bis die Jungen ab der 14. Woche und ihre Mütter in dauerhafte Zuhause vermittelt werden können. Die bereits gesicherten Katzenkinder sind zehn Wochen alt und leider auf dem Weg in die Verwilderung.

Ehrenamtliche

Wer sich mit den Kätzchen beschäftigen möchte, um sie an Menschen zu gewöhnen, ist in der Pflegestelle in Haan willkommen. Außerdem sucht der Tierschutzverein stets tierliebe Menschen, die bei der Betreuung der Futterstellen und/oder der Sicherung der Katzen helfen. Kontakt: Telefon 02129 31649.