aus Newsletter vom 14.08.26 von  Campact <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.;

Zuckerberg filmt Dich

Du liegst im Freibad – und findest später ein Video von Dir im Netz. Heimlich gefilmt mit einer Kamerabrille, ohne Deine Zustimmung. Datenschützer*innen warnen: Das geht mit dieser neuen KI-Technik extrem leicht. Über Facebook, Tiktok und Instagram sind die Aufnahmen in Sekunden hochgeladen und bekommen ein riesiges Publikum.[1]

Um unsere Privatsphäre zu schützen, müssen Justizministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD) und die Bundesnetzagentur jetzt handeln – denn die Brillen verbreiten sich rasant. Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie fordert auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact: Spannerbrillen verbieten! Mach mit.

Unterzeichne jetzt für ein Verbot von Spannerbrillen


Gestartet von: Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

Du bist kein Content: Spanner-Brillen verbieten!

An: Stefanie Hubig, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (SPD) und Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur

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Du sonnst Dich auf der Wiese, gehst auf eine Demo oder triffst Freundinnen und Freunde. Und plötzlich machen Aufnahmen von Dir im Netz die Runde. Du im Bikini oder mit Plakat auf einer Demo. Der Moment, wo Du auf der Treppe gestolpert bist. Du hast nichts gemerkt. Und niemand hat Dich gefragt.

Private Momente werden öffentlich, gefilmt mit so genannten Smart Glasses, die aussehen wie eine ganz normale Brille. Eine Kamera im Gesicht eines anderen Menschen ist kein harmloses Spielzeug. Sie darf nicht zum neuen Normal werden.
Deshalb fordern wir:

  1. Kamerabrillen, die heimliches Filmen ermöglichen, konsequent vom Markt nehmen. Die zuständige Bundesnetzagentur muss bestehende Verbote durchsetzen. Getarnte Kameras gehören nicht in den Alltag – ein winziges, leicht zu übersehendes oder abdeckbares Licht reicht nicht als Hinweis. Kamerabrillen, die heimliche Aufnahmen ermöglichen, dürfen nicht auf den Markt und müssen aus dem Handel genommen werden. Mit Paragraph 8 des Gesetzes über den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre in der Telekommunikation und bei digitalen Diensten (TDDDG) gibt es bereits ein Instrument gegen als Alltagsgegenstände getarnte Aufnahmegeräte – es muss konsequent auch auf Kamerabrillen angewendet werden.
  2. Schutzlücken gegen heimliche Aufnahmen schließen. Die Bundesregierung muss für klare gesetzliche Grenzen sorgen. Menschen müssen überall wirksam vor gezielten und verdeckten Aufnahmen geschützt werden – besonders dort, wo sie verletzlich sind oder sich unbeobachtet fühlen: im Freibad, in Schulen, medizinischen Einrichtungen und am Arbeitsplatz. Niemand darf zum Rohmaterial für Social Media, KI-Anwendungen oder digitalen Pranger werden. Wer Menschen heimlich aufnimmt oder solche Aufnahmen verbreitet, muss künftig überall mit empfindlichen Strafen rechnen – nicht nur in geschützten Räumen.
  3. Klare Grenzen für neue Aufnahmetechnologien. Hersteller*innen müssen vor dem Verkauf nachweisen, dass ihre Produkte verbindliche Anforderungen an Erkennbarkeit, Datenschutz und IT-Sicherheit erfüllen. Aufnahmen müssen eindeutig erkennbar sein. Es darf keine automatisierte Übertragung, Veröffentlichung, Gesichtserkennung oder Profilbildung ohne Dein Einverständnis und eine klare Rechtsgrundlage geben. Grundrechte gehen vor Technologiehype!

Wenn Bundesregierung und Bundesnetzagentur jetzt nicht handeln, akzeptieren sie eine Zukunft, in der jeder Blick eine Aufnahme sein kann. Auch im digitalen Zeitalter muss gelten: Man filmt andere Menschen nicht anlasslos und ohne ihre Einwilligung – und wer es doch tut, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Das gilt auch für Hersteller*innen, die solche Brillen verkaufen.

Du bist kein Content!

 

„Du glaubst, Dich streift nur ein flüchtiger Blick. Doch vielleicht zeichnet eine Kamerabrille gerade alles auf. Die Aufnahme kann in einer Cloud landen, von einer KI analysiert, verändert oder im Netz verbreitet werden.Wir reden hier vor allem über eine Marke: Über 70 Prozent aller verkauften Kamerabrillen kommen von Meta. Metas Geschäftsmodell basiert darauf, möglichst viele Daten über uns zu sammeln und an Werbekunden zu verkaufen – bisher vor allem aus unserem Leben im Netz. Mit den Kamerabrillen holt sich Meta diese Datensammlung jetzt auch in die reale Welt: in Dein Wohnzimmer, auf die Straße, ins Freibad. Und wir merken es nicht einmal.

Kamerabrillen machen heimliches Filmen massentauglich. Sie verwandeln Deinen Freibadbesuch, Deine Karnevalsparty oder einen persönlichen Moment in Rohmaterial für Online-Plattformen – ohne Deine Einwilligung, ohne Kontrolle und oft ohne jede Chance, es überhaupt zu bemerken.

Bisher war Filmen meist sichtbar: Jemand musste ein Smartphone hochhalten oder eine Kamera auf Dich richten. Jetzt verschwindet die Kamera in einem Alltagsgegenstand – mitten im Gesicht. Was früher nach Agentenfilm klang, wird zum Konsumprodukt. Willst Du das wirklich?

KI-Systeme können Bilder bereits analysieren, manipulieren oder sexualisieren. Werden solche Systeme mit Kamerabrillen verbunden, reicht ein einziger Blick, um Dich zu identifizieren, bloßzustellen oder zum Ziel digitaler Gewalt zu machen.

Die Folgen treffen nicht ‚irgendwen‘. Sie treffen Kinder auf dem Schulhof, Frauen im Freibad, Menschen auf Demonstrationen und Beschäftigte bei der Arbeit. Alle, die nicht zum unfreiwilligen Rohstoff für TikTok, Instagram, YouTube oder KI-Anwendungen werden wollen. Und heimliches Filmen ist erst der Anfang!

Tech-Unternehmen arbeiten längst an der nächsten Eskalationsstufe – Gesichtserkennung in Alltagsgeräten. Dann reicht ein Blick, um fremde Menschen auf der Straße zu identifizieren. Dann steht vielleicht Dein Name unter dem Video. Kamerabrillen dürfen nicht zur Tarnkappe für private Überwachung werden.

Niemand hat das Recht, Dich heimlich zu filmen, Dein Gesicht ins Netz zu stellen und daraus Klicks, Spott oder Profit zu machen. Unternehmen dürfen keine Produkte verkaufen, deren Geschäftsmodell darauf beruht, dass alle anderen den Preis bezahlen. Grundrechte sind kein Hindernis für Innovation – sie setzen die Grenze, die Deine Rechte schützt.

Erstunterzeichner*innen dieser Petition sind:

  • Markus Beckedahl, Zentrum für Digitalrechte und Demokratie
  • Katharina Nocun, Publizistin
  • Dr. Astrid Deilmann, Geschäftsführerin bei Campact
  • Dr. Thomas Schwenke, Rechtsanwalt und Datenschutzexperte

Unterschreibe jetzt:

  • gegen heimliches Filmen
  • gegen Kamerabrillen, die ihre Aufnahme verbergen
  • für Dein Recht, im Alltag nicht ungefragt zu Content gemacht zu werden
Unterzeichne jetzt für ein Verbot von Spannerbrillen