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Tiere beschlagnahmt und getötet – was in Münster passiert ist
Mitte Dezember kam es in Münster zu einem Einsatz, der uns bis heute fassungslos macht. Frühmorgens, gegen 5:50 Uhr, wurde die Auffangstation der Taubenfreunde Münster durchsucht – mit Beteiligung von Ordnungsamt, Veterinäramt, Polizei und einer Tierärztin. Mehrere Tiere wurden beschlagnahmt, einige von ihnen noch am selben Tag eingeschläfert.
Extreme Situation für ohnehin geschwächte Tiere
Die Durchsuchung fand in den frühen Morgenstunden statt. Mit Taschenlampen wurde in Container und Volieren geleuchtet – eine massive Stresssituation, besonders für kranke oder geschwächte Tauben. Genau dieser Stress führte dazu, dass Symptome sichtbar wurden, die bei Ruhe und Pflege beherrschbar gewesen wären.
Betroffen waren unter anderem acht ehemalige Stadttauben mit PMV (Paramyxovirose). Diese Krankheit ist nicht heilbar, aber viele Tiere können damit leben – auch langfristig. Unter Stress zeigen sie neurologische Symptome wie Drehen oder Kopfsenken. Genau diese Stressreaktionen wurden dann offenbar als Grund für die Tötung herangezogen.
Tiere auf dem Weg der Genesung wurden getötet
Zusätzlich wurden Tauben eingeschläfert, die sich eindeutig in der Erholung befanden:
- Eine Taube war nach einem Greifvogelangriff noch nicht flugfähig, weil Schwungfedern nachwuchsen – ihr Zustand war stabil.
- Eine weitere Taube war bereits wieder aktiv und wartete nur noch auf die Auswilderung.
Beide Tiere wurden dennoch getötet – mit der Begründung, sie seien nicht flugfähig.
Auswilderung zur falschen Zeit
Weitere Tauben, die eigentlich erst nach Silvester ausgewildert werden sollten, mussten auf Anordnung sofort freigelassen werden – mitten in der Zeit von Böllerei, Lärm und Stress. Für Tauben bedeutet das Lebensgefahr. Tierschutz sieht anders aus.
Fehlende Transparenz und offene Fragen
Bis heute liegt keine schriftliche Begründung vor, warum einzelne Tiere eingeschläfert wurden. Es wurde lediglich gesagt, sie seien „zu krank“ gewesen. Dabei betonen selbst vogelkundige Tierärzte: Einschläfern darf immer nur der letzte Ausweg sein – und muss fachlich und rechtlich klar begründet werden.
Strafanzeige und massive Vorwürfe
Parallel dazu wurde gegen die Vorsitzende des Vereins Anzeige wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutz- und Tierarzneimittelgesetz erstattet. Unter anderem wird vorgeworfen, Tiere nicht ausreichend tierärztlich versorgt oder Auswilderungen nicht lückenlos dokumentiert zu haben. Diese Vorwürfe weist der Verein zurück.
Trotz jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit, trotz Gesprächen mit der Stadt und trotz des offensichtlichen Einsatzes für Tiere ohne Lobby droht nun sogar der Entzug der Erlaubnis, weiterhin Tiere aufzunehmen.
Ehrenamt unter Generalverdacht
Was bleibt, ist das Gefühl, kriminalisiert zu werden, statt Unterstützung zu erfahren. Gesunde oder lebensfähige Tiere mussten sterben. Ein ehrenamtlicher Tierschutzverein wird behandelt, als sei er das Problem – nicht Teil der Lösung.
Wir werden das nicht einfach hinnehmen.
Wir kämpfen weiter.
Für die Tiere. Für Transparenz. Für echten Tierschutz.