aus Newsletter vom 25.03.22 von "#Unterkunft Ukraine" <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!>

Unterkunft Ukraine: Vom Vermitteln, Ankommen & Gastgeben

 
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Vom Vermitteln, Ankommen & Gastgeben

 

in unserem dieswöchigen Newsletter widmen wir uns einer unserer wichtigsten Personen: dir. Ohne dich wäre all das nicht möglich gewesen. Wir hätten nicht mehrere tausend Menschen vermitteln können und würden nicht jeden Tag von Geschichten hören, die uns das Herz überlaufen lassen.

 

Gastgeberin Jenny: Es braucht Zeit

Am liebsten hätte Jenny sofort für die Familie Normalität wiederhergestellt. Als die Hamburgerin die Geflüchteten Kseniya, Nikos, ihren Sohn Eldar und die Großmutter Larissa über #Unterkunft Ukraine aufnimmt, streckt ihr Umfeld die Hände aus. Innerhalb von 48 Stunden kamen viele Angebote für die Aufgenommenen, auch von bisher unbekannten Personen. Das war für die Familie, aber auch für Jenny selber wichtig: “Die Solidaritätswelle überspült all die deprimierenden Nachrichten, die man täglich in den Medien liest.”

Die Vermittlung an sich verlief viel schneller und unkomplizierter, als Jenny im Vorfeld dachte. “Obwohl es recht unbürokratisch ablief, wurde durch den Videocall und die Dokumentenprüfung auf Sicherheit geachtet”, erzählt sie.

Jenny ist dankbar über den gemeinsamen Einsatz für eine bessere Perspektive, das ist ein gutes Mittel gegen die Ohnmacht. Doch schnell wird auch klar: Normalität kann nicht allein geschaffen werden, indem Sprachkurse genommen werden oder der Sohn mit Jenny’s Kindern zum Sportverein geht. Es braucht vor allem Zeit. Gerade ist es viel wichtiger, anzukommen und die Erfahrungen zu bewältigen.

 

Die drei Säulen unserer Vermittlung

Binnen drei Wochen haben wir es mit dir und allen anderen Gastgebenden geschafft ein breites Netzwerk aus Zufluchtsorten aufzubauen, welches wir nachhaltig weiter vergrößern werden. Alles begann mit einem Aufruf, sich als Gastgeber*innen am Berliner Hauptbahnhof mit einem Schild zu positionieren, welches den Geflüchteten angeben sollte, wie viele Menschen man für welchen Zeitraum aufnehmen könne.

Seitdem konnten wir durch intensive strukturelle Arbeit und Kooperation mit Organisationen wie Leave No One Behind die wichtigsten Faktoren, Sicherheit und Transparenz, für alle Mitwirkenden verbessern. Unser Prozess hat dadurch drei erfolgreiche Säulen bekommen:

Als erste Säule dürfen wir auf unser breites Partner*innennetzwerk zurückgreifen, welches Organisationen wie beispielsweise Lift Ukraine umfasst. Hierbei werden Flüchtende von Bussen an der polnischen und ukrainischen Grenze abgeholt und bis zu ihrer Weiterreise zu einer Unterkunft in Werkshallen aufgenommen, wo unsere Vermittlungsarbeit einsetzt. Das Netzwerk regional und überregional weiter auszubauen, ist ein Fokus unserer täglichen Arbeit.

Die zweite Säule ist unser Call-Center, welches zunächst von Freiwilligen betrieben, diese Woche um ein professionelles Team erweitert wurde. Auf diesem Weg können wir die kontinuierlich steigenden Bedarfe effektiver angehen und Unterkünfte finden, die für beide Seiten passen.

All das haben wir durch unsere dritte Säule ergänzt: die Zusammenarbeit mit Kommunen und Städten. Letzte Woche haben wir allen knapp 300 Landkreisen Deutschlands Kooperationsmöglichkeiten angeboten und erste bereits erfolgreich geschlossen.

Durch diese Säulen bauen wir eine sichere, langfristige und partnerschaftliche Lösung für geflüchtete Unterkunfssuchende auf – und dafür sind wir jeder einzelnen beteiligten Person unendlich dankbar.

 

Hilfe & Tipps: Gastgeber*in sein

Das große Wort: Willkommenskultur. Aber wie geht die eigentlich? Wir betrachten dieses Thema oft aus einer Wir-ihr-Perspektive. Wir auf der einen Seite, die Anreisenden auf der anderen. Dabei müssten wir uns doch eigentlich nur fragen: Was bräuchte ich in dieser Lage? Es ist kaum möglich sich wirklich hineinzuversetzen, doch ein einfacher Schritt in die richtige Denkrichtung. Doch eine abstrakte Frage an sich selbst hilft im akuten Fall nicht in ausreichender Geschwindigkeit weiter, daher haben wir aus den ersten Erfahrungen unserer Gastgeber*innen eine kleine Liste mit Tipps zusammengestellt:

  1. Erwarte keine überschwingliche Dankbarkeit
    Die Menschen, die du in dein Zuhause einlädst, sind nicht da, weil sie es unbedingt wollten. Das muss dir bewusst sein. Sei nicht enttäuscht, wenn sie dir nicht direkt mit großen Dankesgesten begegnen.

  2. Viele Fliehende sind traumatisiert
    Du musst keine psychologische Erstversorgung leisten, keine Sorge. Wichtig ist jedoch den Menschen ausreichend Raum in Form von Privatsphäre zu geben und sie nicht zu belagern - auch wenn es nett gemeint ist.

  3. Kommunikation kann ein Problem sein
    Dir und deinen Gästen wird oft die Sprache fehlen. Nicht nur wegen der aktuellen Situation, sondern wegen der Sprachbarriere. Doch jeder Versuch zählt. Benutze Übersetzungs-Tools, wenn es nötig ist.

  4. Melde dich, wenn etwas ist
    Seit neuestem kannst du dich für psychologischen Beistand direkt beim “Krisenchat” melden, der dich tatkräftig mit Beratungen als Gastgeber*in unterstützt.

 

Zum Schluss bleibt zu sagen: Eine anstrengende Zeit liegt hinter und vor uns, doch gemeinsam werden wir ein Zeichen der gelebten, zivilen Solidarität setzen. Danke, dass du uns auf diesem Weg begleitest.

Dein Lukas Kunert (elinor) und Felix Oldenburg (gut.org)

 

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