(Ra)Miro und (Es)Cara

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Liebe Frau Becker,

nachdem Sie mir vor nun beinahe eineinhalb Jahren (Ra)Miro und (Es)Cara anvertraut haben, möchte ich Ihnen einmal einen kleinen Bericht geben.

Die Geschwister – ein kräftiger Tigerkater mit schönen großen, je nach Lichteinfall, blau-grünen Augen und einem lustigen Knickschwanz, und eine grazile, hochbeinige „Lackschuhkätzin“ mit jeweils einer kleinen weißen Schneeflocke auf Brust und Bauch – haben glücklicherweise kein schweres Schicksal erleiden müssen, aber sie waren Ihnen wieder übergeben worden, als sich ihr bisheriges Frauchen beruflich bedingt nach neun Jahren schweren Herzens von ihnen trennen musste. Ich wiederum hatte ein paar Monate zuvor durch einen Verkehrsunfall mein kleines, erst gut zweijähriges andalusisches Findelkaterchen verloren. Die Beiden waren bis dahin als reine Wohnungskatzen gehalten worden. Da ich die Katzen in meinem Leben (immerhin auch bereits ein halbes Dutzend in unserer Familie) immer als Freigänger habe erleben dürfen, war für mich trotz dieser schrecklichen Erfahrung klar, dass auch Miro und Cara nach der Eingewöhnungszeit zumindest das Angebot erhalten sollten, Pflanzen und Tiere nicht nur durch die Fensterscheibe zu beobachten, sondern „live und in Farbe“ kennenzulernen, frische Luft zu atmen und sich in meinem kleinen Garten auszutoben.

Bereits als wir uns bei Ihnen kennenlernten, nahmen zuerst Miro, dann auch Cara schnell Kontakt zu mir auf und auch bei ihrem Einzug in ihre neue Pflegestelle verließen sie umgehend ihre Transportboxen und erkundeten neugierig erst ihr „Kinderzimmer“, mein Gäste-/ Arbeitszimmer, mit ihrer Toilette, Kratzbaum, Körbchen und diversen weiteren Kuschelplätzen. Sie folgten uns aber auch direkt in Wohnzimmer und Küche – klar: das Materiallager des „Dosenöffners“ muss Katze natürlich als Erstes herausfinden. Eingewöhnnungsschwierigkeiten oder „fremdeln“ gab es nicht: Immer gemeinsam folgten sie mir in den nächsten Tagen durch’s gesamte Haus, inspizierten alles ausgiebig und beanspruchten mit größter Selbstverständlichkeit ihre neuen Lieblingsplätze, wo insbesondere Cara mit geradezu aufreizenden Posen ihre Streicheleinheiten einforderte.

Wir gewöhnten uns wirklich schnell aneinander und so wurde nach wenigen Wochen der Pflege- in einen Überlassungsvertrag umgewandelt und Cara und Miro damit dauerhaft zu meinen neuen Mitbewohnern.

Nach einigen Wochen wurde es spannend: Ich öffnete zum ersten Mal die große Tür zu meiner Terrasse und dem Garten und ging hinaus. Mit großen Augen und lang gerecktem Hals folgte mir zuerst Miro, kurz darauf auch Cara. Die Schnurrhaare und Näschen bewegten sich unablässig, als sie jeden Kiesel und jeden Halm und Zweig beschnupperten, und man sah ihnen buchstäblich die Frage ins Gesicht geschrieben, ob man wohl auf diesem grünen Teppich laufen oder über die großen runden Steine balancieren konnte? Alle Geräusche waren so unmittelbar und laut, dass sie ständig herumfuhren und gespannt beobachteten, wie sich die Büsche im Wind bewegten oder ein Vogel durch den Garten flog. Und wie das alles roch… War das aufregend – für sie wie für mich, sie bei ihren Erkundungsgängen zu beobachten.

Inzwischen fordern beide, Cara mehr noch als Miro, ihren Ausgang ein; mein kleiner Garten, den ich dachte, mittels Katzennetzen zu ihrem Schutz ausbruchsicher gemacht zu haben, war ihnen bald zu langweilig geworden, weil Katze ja von der Gartenmauer aus die Welt da draußen sehen und dann selbstverständlich auch näher untersuchen musste. Wann immer ich ihnen einen Weg versperrte, fanden sie innerhalb kurzer Zeit irgendwo einen neuen Durchschlupf. Trotz aller Ängste: Im Grunde freue ich mich über dieses Wiederentdecken ihrer Neugierde und Instinkte – mit der Wertschätzung der kleinen Liebesgaben in Form toter Mäuse allerdings tue ich mich weiterhin etwas schwer.

Abgesehen von kleineren Zickereien oder Eifersuchtsanfällen, sind die Geschwister einander sehr zugetan und liebevoll, lecken sich Gesichter und Öhrchen, und begrüßen sich freudig, wenn einer der beiden von einem Alleingang draußen zurück kommt; selbst eine Maus-Beute wird als Spielzeug geteilt. Anderes Spielzeug ist meist nur für kurze Zeit interessant, ein neues Kissen mit Katzenminze und Baldrian zum Beispiel wird begeistert bespielt, nass gesabbert und zum Kuschelplatz geschleppt. Bällchen, Federwedel oder Bänder andererseits werden mit geradezu beleidigter Miene ignoriert oder in gnädiger Anerkennung der menschlichen Animationsbemühungen allenfalls kurz angetestet. Sobald jedoch etwas Essbares ins Spiel kommt, sieht es anders aus: Toll findet besonders Miro die Futterkugel ; Leckerchen zu jagen – über den Parkettboden kann Katze dabei auch so schön schlittern – oder aus dem selbstgebauten Fummelbrett zu pföteln, löst große Begeisterung aus.  In vollen Zügen aber genießen sie es, wenn ich am Wochenende oder während freier Tage zu Hause bin, und nehmen gern – der eine rechts, die andere links von mir oder auch mal auf meinem Schoss – die Gelegenheit zu Schmuseeinheiten wahr, oder suchen sich ein Plätzchen in der Nähe, wenn ich mich auf dem Sofa oder am Schreibtisch niederlasse – manchmal, wie jetzt zum Beispiel, auch mitten auf der Tastatur ;o).

Ich möchte die Beiden keinesfalls mehr missen  und hoffe sehr, dass Cara und Miro noch viele  weitere Jahre gesund, fröhlich und verschmust zu meiner kleinen Familie in Erkrath gehören werden.