lt. tagesschau.de vom 11.05.18 - Von Marie Mallinckrodt und Arne Meyer-Fünffinger

Trinkwasser wird immer teurer

Wasser ist Leben. Aber Wasser ist auch teuer - und Trinkwasser wird immer teurer in Deutschland. Ein Grund: die hohe Nitratbelastung des Grundwassers.

Das Umweltbundesamt warnte bereits im vergangenen Jahr, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sowie die Grünen zogen nach: Das Trinkwasser könnte bald in vielen Regionen deutlich mehr Geld kosten. Und es ist tatsächlich so: Bundesweit sind die Trinkwasserkosten zwischen 2005 und 2016 im Schnitt um über 25 Prozent gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Grünen-Bundestagsfraktion, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt. Die allgemeinen Verbraucherpreise stiegen im selben Zeitraum nur um rund 16 Prozent.

Die Zahlen zur Entwicklung des Wasserpreises variieren allerdings sehr stark. Während Trinkwasser für Haushalte in Berlin, Brandenburg und Thüringen in diesem Zeitraum günstiger geworden ist, liegt die Kostensteigerung in Bayern mit knapp 60 Prozent so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Dortige Wasserversorger betonen, dass es selbst innerhalb der Bundesländer hinsichtlich des Wasserpreises regional große Schwankungen gebe.

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Hohe Nitratwerte

Dünger und Gülle auf Feldern belasten das Grundwasser. Die Folge: Wegen der hohen Nitratbelastung wird die Aufbereitung immer schwieriger. Wasserversorger warnen, dass der Preis fürs Trinkwasser bald kräftig steigen könnte - um bis zu 62 Prozent. | mehr

Was die jährlichen Wasserkosten angeht, liegen Haushalte im Freistaat Bayern allerdings im unteren Mittelfeld. Am höchsten war die durchschnittliche Wasserrechnung 2016 bei Haushalten in Nordrhein-Westfalen mit knapp 300 Euro. In Bayern waren 205 Euro fällig. Am günstigen lebte es sich in der Bundeshauptstadt mit fast 173 Euro, haben die Grünen aus Daten des Statistischen Bundesamtes ermittelt.

Hofreiter: Landschaft "mit Gülle überschwemmt"

Umweltbundesamt, Grüne und auch der Bundesverband der Energie- und Wasserversorger sehen alle einen gewichtigen Grund für die Preissteigerung: die hohe Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland. Betroffene Wasserversorger müssten zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen: "Gerade in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen ist das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet", erklärte das Umweltbundesamt bereits 2017.

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Nitrate im Grundwasser Nur Malta hat höhere Werte

Das Grundwasser in Deutschland weist im EU-Vergleich die zweithöchste Nitratbelastung auf. Zwischen 2012 und 2015 wurde bei mehr als einem Viertel der Messstationen der Grenzwert überschritten. | mehr

Der Stickstoff stammt aus Mineraldüngern für den Obst- und Gemüseanbau oder Gülle und Mist aus der intensiven Tierhaltung, die auf die Felder aufgebracht werden. Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft warnte im vergangenen Jahr vor der Gefahr für das Grundwasser durch die "industrielle Landwirtschaft".

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter macht vor allem eine Überdüngung in der Landwirtschaft für die Grundwasserbelastung verantwortlich.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht aufgrund dieser Auswertung die Bundesregierung in der Pflicht. Seiner Meinung nach sind die steigenden Trinkwasserpreise auch das Ergebnis der Agrarindustriepolitik der Bundesregierung: "Wenn die Bundesregierung die Agrarindustrie unsere Landschaft mit Gülle überschwemmen lässt, zahlt nicht zuletzt der Trinkwasserverbraucher die Zeche dafür", sagte Hofreiter. Für die Kosten der Massentierhaltung müssten alle den Kopf hinhalten. Hofreiter fordert: "Wir brauchen endlich eine Bundesregierung, die diesen Skandal nicht stillschweigend  hinnimmt, sondern die Überdüngung unserer Gewässer beendet."

Neue Düngeverordnung aus dem Jahr 2017

Im Frühjahr 2017 erst wurde unter der alten Großen Koalition eine Novelle der Düngeverordnung verabschiedet, nachdem Deutschland bereits von der EU-Kommission wegen der Nicht-Einhaltung der EU-Nitratrichtline verklagt worden war. Die neue Düngeverordnung beinhaltet unter anderem Obergrenzen für Stickstoffdüngung und strengere Dokumentationspflichten.

Für die Grünen geht die Neuerung, die noch einige Punkte mehr umfasst, nicht weit genug. Sie forderten schon im Wahlkampf ein Pestizidreduktionsprogramm, weniger Antibiotika in der Massentierhaltung und eine Stickstoffstrategie gegen übermäßigen Gülle-Einsatz.

Die neue Große Koalition hat sich darauf geeinigt, den Anteil des Ökolandbaus bis 2030 auf 20 Prozent auszubauen. Neben den Fragen der angemessenen Düngung stehen vor allem der Unkrautvernichter Glyphosat und das Tierwohllabel im Fokus. Der Koalitionsvertrag verspricht etwa, die Nutzung von Glyphosat enden lassen zu wollen. Hier müssen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze erst noch eine gemeinsame Strategie vorlegen