Aus Newsletter vom 17.01.21 von : "foodwatch | Manuel Wiemann" <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!;

foodwatch: Behördenversagen

 

© foodwatch

 

Endlich: Hochland hat sich dazu verpflichtet, seinen Grünländer Käse künftig nicht mehr wie bisher mit „Milch von Freilaufkühen“ zu bewerben, obwohl die Tier im Stall stehen. Eine Werbelüge weniger – das ist die gute Nachricht! Die schlechte: Die für Grünländer zuständige Behörde hat versagt. Denn es ist eigentlich die Aufgabe der Lebensmittelbehörden, Werbelügen zu stoppen. Der Fall zeigt exemplarisch, dass die Behörden die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht vor Täuschung schützen – selbst in eindeutigen Fällen. Das lassen wir ihnen nicht länger durchgehen! Wir haben im Fall Grünländer Beschwerde bei der bayerischen Landesregierung eingelegt, in einem anderen haben wir geklagt – und werden die Behörden weiter unter Druck setzen, endlich ihren Job zu machen!

wussten Sie, dass Täuschung bei Lebensmitteln gesetzlich verboten ist? Und dass die Lebensmittelbehörden dafür zuständig sind, gegen Werbelügen vorzugehen? Nein? Den Behörden selbst scheint das auch nicht bekannt zu sein. Denn wie soll man sonst erklären, dass kaum eine Behörde in Deutschland aktiv wird, um irreführende Werbung zu unterbinden? Und das, obwohl wir seit Jahren auf das Problem hinweisen und jedes Jahr zehntausende Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Abstimmung zur dreistesten Werbelüge des Jahres, den Goldenen Windbeutel, gegen diese Verbrauchertäuschung protestieren. 

 
Das jüngstes Beispiel: Grünländer-Käse von Hochland. Das Produkt hat den Goldenen Windbeutel 2020 gewonnen. Für den Großteil der 65.000 Verbraucherinnen und Verbraucher, die bei der Windbeutel-Wahl abgestimmt haben, war klar: Mit „Milch von Freilaufkühen“ und einer „Grünen Seele“ zu werben, wenn die Tiere in Wirklichkeit im Stall stehen – das ist eine dreiste Tierhaltungslüge! Die Großkäserei weigerte sich damals, die irreführende Werbung zu stoppen. Deshalb haben wir den Fall bei der zuständigen Behörde angezeigt. Und was tat die? Gar nichts. Obwohl wir mit zwei repräsentativen Umfrage belegt haben, dass der Begriff „Freilaufkühe“ irreführend ist und mehr als 30.000 Menschen die Behörde über eine foodwatch-Aktion aufgefordert haben, die Lüge zu unterbinden. Erst als ein Verein die Großkäserei abmahnte, verpflichtete sich diese nun, den Käse künftig nicht mehr mit den irreführenden Aussagen zu bewerben. Das Absurde ist: Das Unternehmen glaubt wohl selbst nicht daran, dass seine Werbeaussagen legal sind. Denn sonst hätte es ja – statt die Unterlassungserklärung zu unterzeichnen – die Korrektheit der Aussagen vor Gericht bestätigen lassen können. Das zeigt: Die Lebensmittelbehörden decken irreführende Werbung sogar dann, wenn die Unternehmen selbst nicht davon überzeugt sind, dass die eigene Werbung legal ist – das ist haarsträubend! Eines kann ich Ihnen versprechen: Wir nehmen das nicht länger hin. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Schutz vor Täuschung künftig nicht mehr vernachlässigt wird – notfalls auch mit rechtlichen Mitteln! Wir haben deshalb Beschwerde bei der bayerischen Landesregierung eingelegt.

Beispiel Volvic Bio Rooibos-Tee von Danone Waters: Mithilfe einer braun-rötlich gefärbten Folie um die Flasche erweckt Danone den Eindruck, es handele sich um echten Rooibos-Tee. Tatsächlich besteht der „Tee“ jedoch nur zu 0,26 Prozent aus Tee-Aufguss. Bereits im September haben wir das zweitplatzierte Produkt bei der Wahl zum Goldenen Windbeutel 2020 beim zuständigen Lebensmittelamt in Frankfurt angezeigt. Dieses hat es jedoch abgelehnt, Maßnahmen gegen Danone Waters zu ergreifen. Das lassen wir uns nicht gefallen: Wir haben im Dezember Klage gegen die Behörde eingereicht. Eine Entscheidung steht noch aus.

 
Beispiel Arla haltbare Bio-Weidemilch: Arla wirbt mit einem irreführenden Klimaschutz-Siegel auf der Produktverpackung. Immerhin: Nachdem wir das für Arla zuständige Düsseldorfer Amt für Verbraucherschutz auf den Fall hingewiesen haben, ist man dort aktiv geworden, um die Täuschung zu unterbinden. Aber auch dieser Fall ist noch nicht geklärt: Arla hat nämlich Klage gegen die Behörde eingereicht und möchte offenbar an der Werbelüge festhalten. Jetzt muss das Verwaltungsgericht Düsseldorf entscheiden. 

Nachdem wir seit Jahren immer wieder Fälle von Verbrauchertäuschung aufgedeckt und die Unternehmen kritisiert haben, ist für uns nun wirklich Schluss mit lustig: Wir nehmen jetzt die Behörden in die Pflicht! Und wenn diese nach wie vor die Arbeit verweigern, werden wir weitere Klagen einreichen und den Druck erhöhen. Denn es kann nicht sein, dass das gesetzlich verankerte Täuschungsverbot deshalb nicht wirkt, weil die Behörden ihre Füße lieber still halten, als der Lebensmittelindustrie auf ebendiese zu treten!

 

Vielen Dank, dass Sie uns dabei unterstützen!
Herzliche Grüße

Ihr Manuel Wiemann
Campaigner und Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel