lt. Deine Tierwelt Magazin vom 10.5.18

Was ist dran am Maikatzen-Mythos?

Unter dem Stichwort Maikatzen findet man nun immer wieder Anzeigen in einschlägigen Online-Portalen. Angeblich sind im Frühjahr geborene Stubentiger robuster und gesünder als im Herbst geborene und die Nachfrage nach ihnen ist größer. Doch Mythen gibt es ja viele, oder? Häufig wird Leuten, die sich eine Katze zulegen möchten, empfohlen, eine Maikatze auszuwählen. Maikatzen sind keine spezielle Katzenrasse, sondern einfach im Frühjahr geborene Tiere. Oft werden sie mit den Maine Coon Katzen verwechselt, einer amerikanischen Waldkatze, die fälschlicherweise unter dem Namen Maikatzen im Internet angeboten werden. Glaubt man dem Hörensagen, sollen Maikatzen robuster und gesünder sein als im Herbst geborene Katzen.

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Hofkatzen von Bauern

Eine Erklärung hierfür bietet eine alte Bauernweisheit. Als man noch vom Ackerbau lebte und die Kornvorräte im Schuppen lagerten, war es enorm wichtig, diese vor Mäusen zu schützen. Katzen als natürliche Feinde der kleinen Nager waren ideal – besonders die, die im Frühjahr auf die Welt gekommen waren. Sie hatten den gesamten Sommer über Zeit, groß zu werden und im Herbst während der Kornernte dann den Bauern zu unterstützen. Im Herbst geborene Katzen sind dann noch zu klein und haben nicht genügend Kraft, um auf Mäusejagd gehen zu können.

 

Insgesamt hat diese Überlieferung wenig mit der heutigen Katzenhaltung zu tun. Bei unseren Hauskatzen spielt die Jahreszeit keine entscheidende Rolle, denn sie leben im warmen Haus beziehungsweise haben hierzu jederzeit Zugang und werden von uns mit allem versorgt, was sie brauchen.

Mutterkatzenhypothese

Eine andere Überlieferung wird häufig als Mutterkatzenhypothese bezeichnet. Sie besagt, dass eine im Winter trächtige Mutterkatze ein ausgesprochen widerstandsfähiges Tier sein muss. Schließlich schafft sie es, ihre Jungtiere durch den Winter zu bringen und hat dann noch genügend Kraft, sie im Mai auf die Welt zu bringen und anschließend zu versorgen. Diese Eigenschaft gibt sie dann an ihre Jungtiere – die Maikatzen – weiter.

Diese These macht schon alleine deswegen wenig Sinn, weil Katzen nur knapp über zwei Monate tragend sind und nicht den gesamten Winter. Auch wegen der guten Versorgung mit Nahrung und tierärztlicher Pflege durch den Menschen spielt es überhaupt keine Rolle, wann die Jungen auf die Welt kommen.

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Katzen als Dämonen und Hexen

Eine weitere Überlieferung stammt aus dem Christentum. Die Religion erklärte Katzen zu Dämonen und Hexen und den Monat Mai zum „bösen Monat“, weil in dieser Zeit viele heidnische Fruchtbarkeitsrituale abgehalten worden waren. Auch im Mai geborene Katzen wurden als Heidenkatzen angesehen und getötet. Diese negative Sicht änderte sich erst als die Pest ausbrach. Ratten wurden als Überträger der Krankheit erkannt und die positive Bedeutung der Katze kehrte ins Bewusstsein der Menschen zurück. Heute sind es nun gerade die im Mai geborenen Katzen, denen besonders positive Attribute zugeordnet werden.

Gute Versorgung ist wichtiger als die Jahreszeit

Der Geschichte der Maikatze ist ein Mythos. Wer sich also eine Katze zulegen möchte, der sollte nicht auf die Jahreszeit der Geburt, sondern vielmehr darauf achten, dass die Katze bei der Übergabe bereits alt genug ist. Frühstens ab der zwölften Woche sollten die Jungtiere von ihrer Mutter getrennt werden. Wann sie geboren wurden, ist völlig unerheblich.