lt. RP-Online vom 11.05.2018 + Peta

Tierschützer kritisieren Welt-Katzenausstellung in Wesel

tierschutz katzenausstellung in weselWesel
Die Tierschutzorganisation Peta übt scharfe Kritik an einer Ausstellung von Rassekatzen in der Weseler Niederrheinhalle, die am Samstag, 12. Mai, startet. Konkret machen sie den Organisatoren der Weltkatzenausstellung zum Vorwurf, die Katzen unter großen Stress zu setzen. Ferner gebe es bei Rassekatzen eine "Zuchtindustrie", die fortlaufend Katzenbabys produziere und dabei immense gesundheitliche Probleme der Tiere in Kauf nehme.

Die Essenerin Anneliese Hackmann ist Organisatorin der Weltausstellung. Vor 30 Jahren war sie mit ihrer Show schon in Wesel zu Gast, über zehn Jahre kam sie an den Niederrhein. Nun kehrt sie mit diesem Konzept zurück und hofft auf regen Besuch. 150 Tiere samt Züchtern kommen am Wochenende nach Wesel. Sieben Preisrichter bewerten dann die Qualität der einzelnen Rassekatzen. Hackmann will den Vorwurf, die Tiere mit dieser Show zu quälen, nicht gelten lassen. Sie ist Präsidentin des Vereins "Deutsche Edelkatze" und gleichzeitig Präsidentin der "World Cat Federation", der laut Hackmann 370 Organisationen weltweit - von Brasilien bis Russland - angehören.
Hackmann verweist darauf, dass sie an Gesetzgebungsverfahren zum Tierschutz bei der EU als Expertin beteiligt gewesen sei, sich schon allein mit dem Hintergrund dieser speziellen Expertise um das Tierwohl kümmere. Dass es in den vergangenen Jahren Missbildungen bei Katzen gab, leugnet sie nicht. So seien in Amerika Katzen der Rasse "American Bombay" gezüchtet worden, bei denen der Kopf geplatzt sei. In Holland seien Perserkatzen mit extrem kleinen Nasen gezüchtet worden. Solche Tiere seien in Wesel nicht zu sehen - bewusst lehne ihr Verband solche Züchtungen ab. Die in der Niederrheinhalle gezeigten Katzen seien alle geimpft und gechippt. Tiere auch aus dem Ausland werden erwartet.

Die selbst ernannten Tierschützer von Peta, die immer wieder auch mit militanten Aktionen für Tierwohl zu werben versuchen, sprechen von einem "Rassewahn" in Bezug auf Katzen. Der Züchtung von Katzen wegen eines bestimmten Merkmals müsse ein Ende gesetzt werden, fordert Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. "Katzen sind keine Legosteine, die beliebig nach Form und Farbe zusammengesetzt werden können. Die absurden Verformungen ihrer Körper nach Maßgaben der Verbände bedeuten für die Tiere mitunter lebenslanges körperliches Leid. Zudem verschärft jedes gezüchtete Tier die Situation für die vielen heimatlosen Tiere, die in den Tierheimen sehnlichst auf ein neues Zuhause warten." Zahlreiche der auf bestimmte Merkmale hin gezüchteten Tiere würden unter Gesundheitsproblemen leiden. "Perserkatzen etwa haben aufgrund ihrer sehr kurzen, flachen Nase häufig Atembeschwerden, und Scottish Folds sind durch ihre Kippohren nur zu eingeschränkter Kommunikation mit Artgenossen fähig."

Peta weist darauf hin, dass in deutschen Haushalten etwa 13,4 Millionen Katzen leben. Dessen ungeachtet würden Züchter weiterhin reichlich Nachwuchs produzieren, obwohl jährlich allein in Deutschland etwa 300.000 Tiere im Tierheim abgegeben oder ausgesetzt werden. Heute blieben 25 bis 30 Prozent der Tiere ein Jahr oder länger im Tierheim. Peta appelliert daher an alle Tierfreunde, die Zucht nicht zu unterstützen und stattdessen einem hilfsbedürftigen Tier aus dem Tierheim ein Zuhause zu schenken.
(RP)