lt. vegpool.de vom 10.05.18

Sind Erdgas-Autos (CNG) wirklich umweltfreundlich?

tierschutz vegpoolDass Benzin- und Diesel-Motoren die Umwelt mit Feinstaub, CO2 und Schadstoffen belasten, ist nicht erst seit dem "Diesel-Skandal" bekannt. Doch wie sieht es eigentlich bei Autos aus, die mit Erdgas (CNG = Compressed Natural Gas) betrieben werden? Erdgas kann auch aus biologischen Rohstoffen gewonnen werden und wird damit beworben, regenerativ zu sein. Doch es gibt einen Haken.

Auch wenn CNG üblicherweise als "Erdgas" bezeichnet wird, stammt es immer häufiger aus alternativen Quellen wie z. B. aus Biogas-Anlagen. CNG besteht überwiegend aus Methangas und enthält pro Kilo mehr Energie als ein Liter Benzin. Die Verbrennung ist praktisch frei von Schadstoffen, der Treibstoff ist steuerlich begünstigt und der Betrieb von Erdgas-Autos trotz der höheren Anschaffungskosten oft finanziell lohnenswert.

Doch obwohl Erdgas aus Biomasse oft als "regenerativ" beworben wird, hat die Sache einen Haken.

 

Gewinnung von Erdgas oft nicht nachhaltig.

Denn ein wichtiger Rohstoff zur CNG-Gewinnung ist Gülle aus Massentierhaltung. Diese Gülle ist nicht "einfach da" - sie ist ein Hauptprodukt der Fleischerzeugung. Ein Schwein kann aus 10-15 Kilo Futtermitteln etwa ein Kilo Fleisch bilden. Der Rest wird - zusammen mit Wasser - zu Gülle.

Industrielle Tierhaltung ist daher in erster Linie ein Gülle- und Wärme-Produzent. Der Ausstoß an klimaschädlichen Methan-Gasen treibt den Klimawandel an - nicht zuletzt deshalb, weil Methangas vielfach klimawirksamer ist als CO2. Die weltweite Tierhaltung trägt zum Klimawandel stärker bei als der gesamte Verkehrssektor.

Um den Fleischhunger in Deutschland zu stillen, bekommen die Tiere Futtermittel, die in der Regel aus dem Ausland (z. B. Südamerika) importiert werden. Die Anbau-Standards liegen dabei deutlich unter denen für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln - und sind durch den Einsatz von (oft petrochemischen, also aus nicht regenerativen Quellen gewonnenen) Düngemitteln und aggressiven Pestiziden sehr schädlich für die lokalen Ökosysteme.

Petrochemie statt Nachhaltigkeit.

Nicht selten kommt Gentechnik zum Einsatz, um die Pflanzen resistent gegen bestimmte Herbizide zu machen. Im Tierprodukt muss nicht gekennzeichnet werden, ob die Futtermittel gentechnisch verändert waren. Die "ökologischen Kosten" der Rohstoff-Gewinnung fließen über die Gülle direkt ins Erdgas weiter. Nicht zuletzt macht die "Verstromung" von Gülle die Massentierhaltung lohnenswerter - und damit auch deren Folgen für die Umwelt. 

Wer aus Gründen des Umweltschutzes darüber nachdenkt, ein Auto mit CNG-Antrieb zu kaufen, sollte den Aspekt der Rohstoff-Gewinnung nicht vergessen. Erdgas aus Gülle ist nicht regenerativ, sondern höchst umweltschädlich. Als Verbraucher hat man übrigens keine Wahl, da die Quellen an der CNG-Tankstelle nicht angegeben werden.

Letztendlich ist Autofahren bestenfalls so ökologisch wie die Erzeugung der Treibstoffe. Diesel und Benzin erzeugen gesundheitsschädliche Feinstoffe und jede Menge klimaschädliches CO2. Außerdem stammen sie aus fossilen Rohstoffen und sind daher nicht regenerativ. Selbst die Strom-Erzeugung für Elektro-Autos ist nicht immer umweltfreundlich (Stichwort: Rohstoff-Gewinnung von Kohle, Uran, Gas, ...). Bei der Auswahl des passenden Antriebs nach ökologischen Gesichtspunkten sollte man sich daher nicht allein auf die Werbung verlassen - sondern selbst gründlich recherchieren.